Es war eine aufwendige Sanierung, auch wenn die sich auf die Hülle beschränkte. Das einst zum Ensemble des Kaisheimer Pfleghofs zählende Gebäude an der Burgsteige steht schließlich unter Denkmalschutz. Die Zusammenarbeit wird von beiden Seiten gelobt. "Wir sind uns immer gut einig geworden", sagt Barbara Baum, Gebietsreferentin beim Landesamt für Denkmalpflege. "Es war eine vertrauensvolle Zusammenarbeit sowohl mit dem Landesdenkmalamt als auch mit der Stadt", sagt Thomas Böhmerle, der von Kessler beauftragte Architekt. "Wir haben ohne Zeitdruck gearbeitet", verdeutlicht Baur. Denkmalschützerin Baum sagt aber auch: "Die Sanierung war bitter notwendig, seit Mitte der 90er-Jahre lag eine Genehmigung vor." Mit dem Ergebnis ist auch sie sehr zufrieden.Das Dach wurde nach der historischen Vorlage mit Biberschwänzen eingedeckt, nachdem diese in den 70er-Jahren ersetzt worden waren. Der Dachstuhl wurde nicht ausgebaut, lediglich isoliert. Am Mauerwerk wurden Risse ausgebessert, beschädigter Sandstein wurde ergänzt, einst eingearbeiteter Beton entfernt. Die Dachrinne wurde erneuert - auch der Nachbar entschloss sich dazu -, der Elektromast vom Dach entfernt. Die Stromleitungen liegen jetzt unter der Erde. Die Stadt wird eine Lampe an der Burgsteige ersetzen, laut Baur durch eine schönere. Bei den Wappen- und Engel-Reliefs wurde der Sandstein verfestigt. Und der teils rissige, dreckige Putz wurde erneuert. Nach historischem Vorbild wurde hier Luftkalkmörtel verwendet. "Ein seit Jahrhunderten bewährtes, natürliches Material", sagt Böhmerle. Das wird nicht gestrichen, weshalb es Schattierungen in der Fassade gibt. Der Luftkalkmörtel entfaltet nach Angaben des auf Denkmalsanierung spezialisierten Architekten eine hohe Wasserbindungskraft, was das Holz in der Fachwerkkonstruktion trocken halte. Die Tore, Fensterrahmen und -läden sind noch die alten, sie erscheinen im roten Leinölfarbenanstrich in neuem Glanz. Auch die Farben waren schwierig zu verarbeiten, bedürfen sie doch wie der Kalkputz langer Trocknungszeiten und mehrerer Durchgänge. Farbe und Putz mussten in bis zu vier Lagen aufgebracht werden.
Im Inneren des Gebäudes wurde im vergangenen Jahr nichts verändert. Im Untergeschoss stehen nach wie vor die alten, einbetonierten, nicht mehr genutzten Tanks. Baur nennt sie "historische Reliquien". Das Obergeschoss wurde bereits vor einigen Jahren Jahren renoviert und ist seit 2007 als Bürofläche vermietet. In den Tanks im Erdgeschoss wird nach wie vor Grundwein für die Sektproduktion gelagert und über eine 200 Meter lange "Pipeline" hinunter zum Kessler-Hauptsitz im Speyrer Pfleghof transportiert.
Was die jetzige Sanierung gekostet hat, darüber will Baur keine detaillierten Auskünfte geben. Im sechsstelligen Euro-Bereich belaufen sich die Kosten, sagt der Geschäftsführer. Das Land bezuschusste das Projekt im Rahmen des Landesinfrastrukturprogramms. Aus diesem Topf flossen insgesamt 1,7 Millionen Euro in 20 Vorhaben. Wie viel davon in Esslingen angekommen ist, will auch Barbara Baum nicht verraten. Für Christopher Baur steht fest, dass das Geld gut investiert ist: "Das Gebäude ist es allemal Wert." Schließlich, so der Geschäftsführer der Sektmanufaktur, sei "das Haus die Geburtsstätte des ersten deutschen Sekts".